Kurz vor Irgendwo…

So ähnlich jedenfalls stell ich mir das vor! Irgendwo in Kambodscha, in Sihanoukville genauer gesagt – und noch genauer am Otres Beach. Am allergenauesten im Mushroom Point. Nein das hat nichts mit irgendeiner Art an bewusstseinserweiternden Substanzen zu tun, zumindest fast nicht. Folgendermaßen, Shianoukville ist ein an und für sich recht unschöner Ort. Erinnert fast ein wenig an Arenal, ein kambodschanisches natürlich. Doch ich will nicht vorgreifen, alles der Reihe nach. Wir haben Bangkok also hinter uns gelassen und sind mit dem wahrscheinlich beschissensten Bus Thailands durch Dauerregen nach Kohg Kong gefahren, inklusive Regen im Bus. Koh Kong überraschte uns mit einer überzeugenden Bescheidenheit, einzig eine verstreute Ansammlung von luxuriöseren Hotels, 4 Sterne möglicherweise, trübte

In Koh Kong

In Koh Kong

diesen Eindruck. Und Dauerregen. Von Morgens bis Abends Regen, überschwemmte Straßen und die sich einschleichende Gewissheit, dass das in der Regenzeit wohl so ist.  Der morbide Charme unserer Absteige unterstrich den zeitweiligen Eindruck der Trostlosigkeit dieses verregneten Ortes. Wenigstens war es warm und das Essen im französisch geführten Restaurant um die Ecke war nicht nur köstlich sondern auch nach europäischen Standards zubereitet. Die Happy Hour in der geschmackvollen Bar, zwei Cocktails für 3$, tat Ihr übriges um den Aufenthalt leichter ertragen lies als es vielleicht den Eindruck erwecken lässt. Trotzdem waren wir nicht weiter traurig als wir in den größeren Minibus einstiegen und Koh Kong hinter uns ließen. Die Fahrt von Koh Kong nach Shianoukville wird mit ca. fünf Stunden angegeben und anders als in Thailand scheinen die Khmer ein europäischeres Zeitgefühl zu haben.  Nach fast genau fünf Stunden erreichten wir das Arenal Kambodschas. Oder vielleicht sollte ich eher Biariz sagen. Erstens ist es doch nicht

Fluß zwischen Koh Kong und Shianoukville

Fluß in Kambodscha

ganz so niveaulos wie Arenal und zweitens weitaus weniger betrunken. Ok, damit dürfte sich der Vergleich mit Biariz ebenfalls erledigt haben, aber immerhin war Kambodscha  von 1887-1955 unter französischer “Obhut”, was sich übrigens nach wie vor darin bemerkbar macht, dass hier viel Baguette gegessen wird. Zumindest was man hier so darunter versteht. Vom zentralen Busbhanhof Shianoukvilles ging es mit dem Moto zum Otres Beach, was recht unkompliziert ablief, von den Straßenverhältnissen mal abgesehen. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir zwangsläufig die Stadt, die sich den vorherigen Ausführungen anbiedernd, als Anhäufung von Kneipen, Bars und Guesthouses entpuppte. Gespickt mit einigen Supermärkten und Hotels sowie von einem vergangenen Aufschwung stammenden Bauruinen. Der Ortes Beach hingegen ist anders. Im sprichwörtlichen Sinne “ab vom Schuss”, stellt  ein langer Strandabschnitt der sich vor einer wenig entfernten Ansammlung von Inseln erstreckt, den  Otres Beach dar. Hier gibt es einige Khmer geführte Cottages beziehungsweise “Resorts” die meist eine Bar sowie ein Restaurant beinhalten – mit direktem Blick aufs Meer. Nachdem wir an einem dieser Resorts von unseren zwei sehr netten sowie schüchternen Motorradfahrern abgesetzt wurden, richteten wir uns mit gemischten Gefühlen häuslich ein. Im Grunde genommen sind

Mean Mean Bungalows - Otres Beach

Mean Mean Bungalows - Otres Beach

diese Hütten alle in Ordnung aber es war noch nicht das was in Irgendwo als Standard erwartet werden kann. Die Bauweise dieser Gebilde ist  allgemein alles andere als auf Belastbarkeit ausgelegt und so sieht man ihnen von Innen wie von Außen die wenigen Jahre die Sie wohl auf dem Buckel haben dürften verdammt nochmal an. Wirklich; Irgendwo sieht anders aus! Trotzdem war die Nacht mit Meeresrauschen und unter unserem 1. A mitgebrachten Moskitonetz angenehm. Weder regnete es  mehr, noch trieb einem die schwüle Hitze den Schweiß  im Sitzen aus den Poren.

Otres Beach Szene

Otres Beach Szene

Die Mea Mean Bungalows am Otres Beach sind durchaus in Ordnung und das Essen hat sowohl Mira als auch mir ausgezeichnet geschmeckt. Für das Plus an Proteinen und einer extra Portion Exotik sorgten die mitgekochten Strandameisen. Außer einem weiteren Bungalow war unserer der einzige der belegt war und rings um uns herum ist erstens kaum was los und zweitens ist hier auch einach wirklich nicht viel. Folgerichtig wurden wir beim

Otres Beach

Otres Beach

schlendern über den Strand von zwei Typen eingeladen Abends bei Ihnen vorbeizukommen, sie seien gerade würden gerade über den Strand laufen und jeden einladen bei Ihnen abzuhängen. Im Grunde ist der Mensch doch ein äußerst irrationales Wesen. Sucht er zuweilen paradiesische Abgeschiedenheit, ist er an diesem Ziel auch nur annähernd nahe gekommen schart er alsbald alle Gesellschaft die zu finden ist um sich. Gemeinsame Einsamkeit sozusagen. Am nächsten Tag war Sonnenbaden angesagt. Zu unserem Glück schien diese nämlich endlich wieder  und ballerte sogleich alles was Sie an diesem Tag zu bieten hatte auf einen einzelnen kleinen Punkt dieser Erde – den Otres Beach in Kambodscha. Gemessen an unserer Beider Hautfarbe jedenfalls muss es genauso gewesen sein. Trotz einem Dunstschleier der den ganzen Tag über der Sonne lag,

Otres Beach Szene

Otres Beach Szene

erleuchtete das dunkle Rot  unserer Haut alles im Umkreis von  bis zu 20 Metern. So einen beschissen intensiven Sonnenbrand hatte ich noch nie – zumindest nicht das ich mich erinnern könnte… Abends landeten wir auf der Suche nach einem leckeren Nachtmal im Mushroom Point, welcher unweit unserer eigenen Bleibe schräg gegenüber auf der anderen Seite der Schotterpiste, die den Strand vom Hinterland trennt zu finden ist. Der Name Mushroom Point rührt wie bereits erwähnt nicht von irgendwelchen zweideutigen Eigenheiten her sondern hat seinen Ursprung vielmehr im pilzartigen Aussehen des Hauptgebäudes nebst den kleineren Nebengebäuden. Kreisrunde, weiß getünchte Steinmauern, bedeckt von einem Dach aus getrockneten und geflochtenen Palmwedeln – so sahen die etwa 7 kleinen Pilze aus. Ausgestreut über einem kleinen Garten mit Palmen und in zartem Gelb blühenden Sträuchern, hat diese Pilzkolonie am Rand von Irgendwo einen ganz eigenen, fast schon surealen Charme. Dieser Ort strahlt so viel Wärme aus, dass wir uns fast magisch zu ihm hingezogen fanden und beim Abendessen direkt nach der Verfügbarkeit einer dieser Pilzhütten fragten. Am nächsten Morgen schnürten wir unser Zeug zusammen und trugen es auf die andere Straßenseite. Die Besitzer des Mushroom Point sind ein europäisches Pärchen die Ihr Herz in die Hand genommen haben und fernab des Shianoukville investorengetriebenen Rummels Ihr ganz eigenes Stück vom Glück zu realisieren. Die beiden leben im größten der Pilze, welcher zwei

Mushroom Point, Simon vor unserem Pilz

Mushroom Point, Simon vor unserem Pilz

Stockwerke und eine robuste abschließbare Türe hat. Ein Teil des Daches ist offen, so das der darunterliegende Teil des großen runden Raumes quasi auch die meisten Eigenschaften einer ausladenden Dachterasse besitzt. Die anderen Pilze sind kleiner, haben aber zudem noch einen kleineren Nebenpilz in dem die Toilette und die Dusche  untergebracht sind. Vor dem großen Tor aus Bambus und geflochtenen Palmmatten, welches in

Otres Beach Szene

Otres Beach Szene

geöffnetem Zustand den Blick auf das Kreisrunde mit blütenweißem Leinen bezogenen Bett freigibt, befinden sich jeweils zwei Liegestühle. Ein kleiner Turm im hinteren Teil des Geländes, beherbergt einige Einzelzimmer. Diese sind zwar nicht ganz so individuell wie die Pilzhütten, entschädigen aber mit einem herrlichen Ausblick. In diesem Ort ist einfach alles vollkommen perfekt unvollkommen, dass die Seele einen kleinen aber fühlbaren Satz zu machen scheint, schaut man morgens verschlafen aus seinem Pilz heraus. Die 15 Dollar pro Nacht gingen vollkommen in Ordnung und auch die 25 die in der Trockenzeit hätten berappt werden müssen sind ein anständiger Preis dafür diesen Flecken Erde kurzzeitig genießen zu dürfen. Wenngleich unsere Kalkulation eigentlich deutlich darunter lag, blieben wir die nächsten zwei Tage hier und ließen unsere Seelen Baumeln und die Gedanken schweifen… …Viele Grüße Mira & Simon

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Eine Antwort auf Kurz vor Irgendwo…

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