Irgendwo – zweiter Versuch.

Nachdem wir Carsten im Nordic House kennengelernt haben und mit Ihm mehr oder weniger zwei Tage verbrachten, verließen wir das Nordic House eines schönen Morgens um ca. 7 Uhr mit dem TukTuk.

Am Strand von Koh Rong

Am Strand von Koh Rong

Zur Erläuterung, Carsten sprach uns an weil er meinte am Tisch neben Ihm – also unserem – einen heimatlichen karlsruher Dialekt vernommen zu haben. Nach der Verifizierung dieses Sachverhalts kamen wir ins Gespräch und so weiter und so fort… Carsten Jedenfalls lebt in Sihanoukville, stammt aus KA und arbeitete bis vor wenigen Tagen im Dive Shop. In wenigen Tagen wir er, als Partner eines ebenfalls aus Deutschland stammenden Guesthousebesitzers, das zum Cinderella Guesthouse gehörende Restaurant übernehmen (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dürfte dies bereit geschehen sein).

Carsten erzählte uns von der vor der Küste Sihnoukvilles gelegen Insel Koh Rong und seine Erzählungen in Verbindung mit dem Unwillen eine mehr als 10 Stunden dauernde Busfahrt nach Laos anzutreten überzeugten uns letztendlich nach “Sin-Ville” zurückzukehren. Also verließen wir das Nordic House mit dem TukTuk und im Anschluss Phnom Penh mit dem Bus.

“Sin-Ville” wurde bereits an anderer Stelle beschrieben, ich möchte an hier aber nochmals die grundlegende Hässlichkeit dieses Ortes erwähnen. Da wir jedoch einen “Einheimischen” kennengelernt hatten stellt sich heuer auch Sin-Ville in einem etwas anderen Licht dar. Abgesehen von den Khmer, die mit Sicherheit den in mehrfacher Hinsicht bedeutendsten Teil der Bewohner Sin-Villes ausmachen, ist dieses Stätdchen ein Aquarium, besetzt mit den unterschiedlichsten Abenteurernaturen. Zu den Spezies gehören Singels beiderlei Geschlechts, Familienväter samt Familie, Hund und Bobbycar, Homosexuelle die den ersten Homoclub des Landes betreiben … Familienmütter im selben Kontext haben wir – nebenbei bemerkt – allerdings keine angetroffen, was immer das heißen mag. Dank unserer “Beziehungen” offenbarte sich uns der ein oder andere Einblick in das Leben eines Auswanderers abseits von Kabel und VOX. Das sind Leute die zufällig hier gelandet sind und eine sich Ihnen bietende Gelegenheit ergriffen haben. Menschen die Ihr Herz an die Fremde verloren haben. Menschen die etwas mehr wagen als Ihre Kontoauszüge bereits nach erster Durchsicht wegzuwerfen und fernab von Europa, den USA, Australien, Russland, Israel ihr Glück zu versuchen. Den meisten von Ihnen gemein ist der Umstand, dass Sie Sin-Ville eigentlich nicht sonderlich mögen, diesen Ort aber als den Ort der 1000 Möglichkeiten (mit Sicherheit auch ein Ort mit ebenso vielen Niederlagen) nutzen. Carsten jedenfalls tu genau dies, bislang mit durchwachsenem Erfolg jedoch nicht ohne Perspektive.

Abends und damit am Abend vor unserer Überfahrt auf die Insel trafen wir uns  mit Carsten zum Essen. Da Mira in dem gewählten Restaurant nichts zu essen bekam waren wir genötigt im Anschluss auf den Victory Hill zu fahren um dort, von Herrenseite ein paar Bier und von Damenseite ein indisches Nachtmahl einnehmen zu können. Der einsetzende Regen zwang uns im Anschluss daran fluchtartig eine weitere Bar aufzusuchen und dort das Ende der Sintflut abzuwarten. Die divenhafte amerikanische Besitzerin Corey war etwas beschäftigt mit der Zubereitung und Auslieferung diverser Pizzen, weshalb wir mit Peter Fox als Barkeeper oder vielmehr Interieur vorlieb nahmen. In wirklichkeit handelte es sich natürlich nicht um Peter Fox, sondern um einen weiteren gebürtigen Berliner, welcher allerdings eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit mit Erstgenanntem aufweist. “Peter” ist der Erzählung nach, in dieser Bar hängen geblieben und hat aufgrund seiner ständigen Anwesenheit irgendwann den Job als Barkeeper übernommen. Irgendwie ein Uriger und sympatischer Typ, wenngleich vielleicht etwas  verschroben.

Fischerhütte mit Steg - Koh Rong

Fischerhütte - Koh Rong

Wasserbüffel - Koh Rong

Wasserbüffel - Koh Rong

Irgendwo - Koh Rong

Nunja, die Überfahrt am nächsten Tag war aufgrund der vom Regen aufgezwungenen Vorabendaktivitäten recht verschlafen, will heißen das wir beide unserem Schlafbedürfnis auf Deck Rechnung trugen. Der Müdigkeit geschuldet war der Rest vom Tag  auch auf Koh Rong in selbigem Sinne was aber durchaus O.K. war. Dieser Ort eignet sich bestens für derlei Unternehmungen. Es gibt keine Stromversorgung auf Koh Rong, was den Zustand der Unterhaltungsindustrie auf der Insel erahnen lässt und der Ruhe die man verspürt sobald man die Insel betritt nur dienlich ist.

Ansonsten gibt es über Koh Rong bzw. unsere Aktivitäten nicht allzuviel zu berichten, da es auf der Insel nicht wirklich viel zu tun gibt, sich zum ausgiebigen Nichtstun jedoch zahllose Möglichkeiten finden. Koh Rong ist ungefähr so groß wie Hongkong und bietet mit dieser Größe geschätzten 2000 Menschen ein ständiges zuhause. Hinzu kommen zur Hochsaison, bei Vollbelegung der 3.5 Bungalowanlagen vielleicht weitere 400 Touristen. 3.5 Bungalowanlagen, weil eine auf der anderen Seite (der Südseite) der Insel liegt und diese nur während der Trockenzeit mit dem Boot zu erreichen ist. Während der Regenzeit gibt es nur einen schmalen Pfad, vorbei an einer kleinen Cashewnuss-Plantage, durch den Dschungel und letztenendes via eines Abstieges mit ca. 85% Steigung, der zu der 0.5. Anlage führt. In der Mitte der Insel und mit Mitte ist in diesem Fall so gut wie alles was sich ca. 200 Meter im Inland befindet gemeint, befindet sich nahezu nichts als dichter Urwald.

Paradise Bungalows - Koh Rong, Kambodscha

Unser Worlds End

Blick auf "den ganzen Rest"

Restaurant am Ende des...

Diese Insel ist eine nahezu perfekte Mischung aus einem Mindestmaß an Komfort, den die drei Anlagen bieten und völliger Einsamkeit, die man leicht erlangt wenn man nur 300 Meter von diesen Anlagen wegläuft. Zu bestimmten Tageszeiten gibt es einige Stunden Strom, der von den Paradise Bungalows über einen Generator zur Verfügung gestellt wird. Genug für ein wenig Musik aus den mitgebrachten Miniboxen und einigen Stunden Licht am Abend. In Zukunft plant der deutsche Besitzer der Paradise Bungalows die kleinen Bachläufe zu nutzen und mittels einer Turbine und einigen zusätzlichen Solarzellen, ganztägig Strom zu liefern. Das ist sicher seinem Geschäft zuträglich, schmälert aber auch die einfache Romantik dieser Insel. Weiße Sandstrände, einsame Buchten und Wildnis, das ist es was man auf Koh Rong suchen sollte und mit Sicherheit finden wird. Wenn man dann noch eine palmgedeckte Holzhütte am Hang, mit Balkon, Hängematte und freiem Blick auf das Meer hat, dann ist die Welt in Ordnung. Geschätzte 5000 Touristen insgesamt, sollen sich bislang maximal auf Koh Rong aufgehalten haben und in anbetracht der Pläne der kambodschanischen Regierung dürfen wir uns wirklich glücklich schätzen noch zu “den Ersten” gehört zu haben die diese Insel als Touristen besucht haben. In Zukunft soll es 5 Sterne Resorts, einen Flugplatz und einen Golfplatz geben. Die allersten Anzeichen dieser geplanten Katastrophe offenbarten sich uns, als wir mit Gil zu einer zweitägigen Treckingtour aufbrachen. Mitten im Dschungel traten wir auf einmal auf eine breite Schneise, die in Form einer Schotterpiste in den Wald geschlagen worden war.

Irgendwo im Nirgendwo

Irgendwo im Nirgendwo

Diese “Straße” beginnt und Endet im Nirgendwo und symbolisiert auf ihre Art den menschlichen Wahnsinn. Da die kambodschanische Straßenbautechnologie allerdings in keinster Weise den deutschen Maßstäben entspricht, ist diese Piste nach nur einer Regenzeit glücklicherweise bereits zu einem Drittel von den Niederschlagsbegleiterscheinungen erodiert worden. Sollten die aktuell nicht vorhandenen Investoren noch ein zwei weitere Jahre auf sich warten lassen, dürfte sich das Problem mit dieser Piste weitestgehend erledigt haben – zumindest vorerst. Meine bescheidene Erfahrung lehrt mich allerdings das mindestens langfristig die beschriebene oder eine ähnliche Entwicklung kaum aufzuhalten sein wird. In Anbetracht dieser Tatsache war unsere Treckingtour umso ergiebiger.

Gil, unser Tourguide, ist ein Israeli der vor ca. 2 Jahren auf diese Insel kam und das Wandern liebt. Dementsprechend konnte er das Angebot des Paradise-Besitzers, für freie Kost und Logis auf der Insel zu verweilen und Treckingtouren anzubieten nicht ablehnen. Seitdem hat er die Insel, teils auf  eigene Faust, teils mit Hilfe von Einheimischen erkundet und sich so zu eigen gemacht. Er kennt die Insel wohl wie kein zweiter, da er die Kenntnisse Einheimischer aus verschiedenen Teilen der Insel in einer Person vereint. Dementsprechend herrlich romantisch darf man sich auch unser Schlafplatz in einer verlassenen Hütte vortsellen. Abgesehen von einigen Khmer die ihre Wasserbüffel zum fressen ausführten wurden wir dort von niemandem gestört. Und von einer Störung kann bei diesem Besuchern eigentlich keine Rede sein.

Mangroven - Koh Rong Trecking

Mangroven - Koh Rong Trecking

Koh Rong Trecking

Koh Rong Trecking Tour

Koh Rong  Trecking

Koh Rong Trecking

Koh Rong - Kambodscha

Keine Brücke am Kwai

Schlafplatz - Koh Rong Trecking

Schlafplatz

Koh Rong Trecking - Kambodscha

Morgen trocken...?

Nach der trotz Allem etwas unergiebigen Nachtruhe (Teile des maroden Blechdachs der Hütte schlugen hin und wieder gegeneinander und uns aus dem Schlaf) kehrten wir, über die bereits erwähnte Steilwand, zurück zu den Paradiese Bungalows und damit zum Bootsanleger. Wie der werte Leser bereits erahnen dürfte ging es am selben Tag – nach einer knappen Woche Aufenthalt – zurück nach Sihanoukville wo uns Carsten mit schwäbischem Kartoffelsalat und Grillwürsten erwartete.

Mit Gil bei Locals - Koh Rong, Kambodscha

Gil und Simon...

Am nächsten Tag gings abermals nach Phnom Phen und von dort weiter nach Laos. Den geplanten Besuch der 4000 Inseln im Mekong haben wir bislang leider nicht realisieren können, da uns auf dem Weg dorthin klar wurde, dass es dort keine Geldautomaten gibt und wir mit insgesamt 20 Dollar wahrscheinlich nicht so weit kommen würden. Aus diesem Grund regelten wir noch im Bus die Weiterfahrt nach Pakse, wo wir am Abend des 13.07.2011 eintrafen. Unsere recht anstrengenden und unvorhergesehenen Erlebnisse in Pakse werde ich auf den nächsten Eintrag verschieben, obwohl wir damit noch immer nicht “Up to date” sind mit unserem Reisebericht. Aber erstens nehme ich natürlich Rücksicht auf die potentielle Ermüdung der werten Leserschaft und zweitens lasse ich mir jetzt mein Beer Lao in der Karstlandschat von Vang Vien schmecken und damit hat sichs…

 

LG Simon & Mira

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9 Antworten auf Irgendwo – zweiter Versuch.

  1. Daniel sagt:

    Hey ihr Zwei!
    Mmmmmh, Beer Lao!
    Was für ein Glück, dass es das auch im Soom Pong um die Ecke gibt! :-) Die haben dort doch echt deutschsprachige Beer Lao Bierdeckel!! http://www.beerlao.ch/

    Bin gespannt, was Ihr von Laos haltet, ich fand es bisher die liebenswerteste Ecke in Asien. Ihr könnt ja mal vergleichslesen, wenn Ihr wollt, z.B.: http://danasien.blogspot.com/2008/08/luang-prabang-laos.html :-) War das ne Zeit!

    Vielen Dank für Eure tollen authentischen Reisebeschreibungen, die ich allesamt sehr genieße! Vom Abgrund (architektonisch/seelisch/Historisch) bis zum Paradies (Natur/Menschen/Beer Lao) war ja bisher schon alles dabei, so wie sich das für ein ordentliches Abenteuer gehört. So ist das wohl mit dem Reisen: manchmal findet man, was man sucht, meistens noch viel mehr.

    Passt gut auf Euch auf – Ihr wisst, das Leben ist lebensgefährlich!
    Grüße aus dem Offiss,
    Daniel

  2. Nigu sagt:

    Teile der Leserschaft fiebern der Fortsetzung entgegen.
    Viele liebe Grüße
    Nine und Gunter

  3. Nigu sagt:

    Teile der Leserschaft fiebern der Fortsetzung entgegen.
    Viele liebe Grüße
    Nine und Gunter

  4. Jan sagt:

    Finde ich gut, dass hier haeufig gepostet wird.

  5. janne sagt:

    ich les grad sonst nix :-)

  6. Very enjoyed this! Well done!

  7. janne sagt:

    schreibt doch auch in zukunft ab und an was, liest sich wirklich gut.

  8. I am so impressed I had to save it so I continously go back and read things I may have skimmed

  9. Bms Mortgage sagt:

    Great article . Will definitely apply it to my blog

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